Der Heilige Benedikt – Vater vieler Völker

Benedikt wird um das Jahr 480 im Bergstädtchen Nursia (heute Norcia) in Umbrien als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Für ihn ist eine Beamtenlaufbahn im römischen Staatsdienst geplant, er entscheidet sich jedoch für den Glauben. Allgemein gilt der Hl. Benedikt als einer der Gründerväter des abendländischen bzw. christlichen Mönchtums. Als solcher stellt er eine herausragende Persönlichkeit innerhalb der Geschichte dar. Benedikt wird auch der "Vater vieler Völker" genannt, denn der von ihm gegründete Orden hat das Gesicht Europas wesentlich mitgestaltet – nicht umsonst ist er auch der Schutzpatron Europas.

Sein Leben in Rom

Benedikt ist zwischen 15 und 18 Jahre alt, als er sein umbrisches Elternhaus verlässt, um zum Studium nach Rom zu ziehen. Bald schon wendet er sich von der chaotischen Stadt ab, in der damals zwei Bewerber um den Papstthron streiten. Benedikt zieht es nach Enfide, heute Affile, wo er ein sehr vom Glauben geprägtes Leben beginnt.

Enfide und das erste Wunder

In Enfide bewirkt Benedikt auch sein erstes Wunder und zieht die Aufmerksamkeit auf sich! Denn Dank seines Gebets wird ein zerbrochenes Getreidesieb, wieder zusammengefügt. Dieses Wunder hat zur Folge, dass Menschen der ganzen Gegend den Wundertäter aufsuchen und um seine Hilfe bitten. Benedikt jedoch sehnt sich nach Einsamkeit und Ruhe.

Subiaco und die Höhle

Benedikt entflieht dem Rummel um seine Person und sucht Zuflucht in einer Höhle bei Subiaco. Damals leben in den Höhlen dieser Einöde auch zahlreiche Mönche. Eines Tages wird er von dort lebenden Mönchen gefunden – einer von ihnen, der Mönch Romanus, schenkt Benedikt ein Mönchsgewand und erhebt ihn damit in den Mönchsstand. Lange Zeit lebt Benedikt einsam in seiner verborgenen Höhle. Er kämpft gegen weltliche Versuchungen an, auf dem Höhepunkt seiner Bedrängnis soll er sich, so berichtet sein Biograph, Papst Gregor I., in Dornen und Brennnesseln gewälzt haben, um seinen starken Begierden zu widerstehen.

Abt in Vicovaro

Im nahen Vicovaro lebende Mönche hören vom heiligen und asketischen Leben Benedikts, worauf sie ihn als Abt in ihre Gemeinschaft aufnehmen. Benedikt erweist sich jedoch als sehr strenger Abt, man beschließt daraufhin, ihn den Gifttod sterben zu lassen. Als die Mönche ihm den Becher mit dem vergifteten Wein reichen, segnet er auch diese Gabe. Nach seinem Segen zerbricht der Becher, und eine Schlange kriecht heraus – das zweite Wunder des Benedikt. Benedikt verlässt die Mönchsgemeinschaft und zieht sich in eine Höhle am Ufer des Annio zurück. Jedoch verbreiten sich seine Wunder rasch, auch deshalb wächst die Zahl derjenigen, die sein Leben teilen wollen, in dieser Gegend sehr schnell – in kurzer Zeit entstehen zwölf Klöster über dem Annio. Nach weiteren Vorfällen, u. a. ein Vergiftungsversuch, verlässt Benedikt auch diesen Ort.

Monte Cassino und die Mönchsregel

Benedikt zieht mit einigen getreuen Mönchen auf eine Anhöhe über der Stadt Cassino, wo sich ein Apollo-Tempel befindet. Die Mönche reißen den Tempel ab und beginnen an derselben Stelle mit dem Bau eines Klosters, welches sie dem Hl. Johannes dem Täufer und dem Hl. Martin von Tours weihen. Mit dem Klosterbau beginnen die Mönche auch die Bevölkerung zum christlichen Glauben zu bekehren, und zwar mit großem Erfolg.

In Monte Cassino beginnt Benedikt auch damit, die Erfahrungen seines langen und erfahrungsreichen Lebens in einer Mönchsregel niederzuschreiben. Seine Grundlagen dafür sind u. a. zwei ältere Mönchsregeln: die "Magisterregel" und die Regel des Hl. Basilius d. Gr. Grundmotive der Regel des Hl. Benedikt sind die Gottsuche in allen Lebensvollzügen und das Streben nach discretio, also dem rechten Maß. Das Regelwerk des Hl. Benedikt wird ein "Handbuch", das dabei hilft, die Forderungen des Evangeliums im Alltagsleben zu verwirklichen.

An einem 21. März um das Jahr 547 herum stirbt Benedikt auf dem Monte Cassino. Kurz vor seinem Tod hat er die Vision von der Zerstörung seines Klosters. Diese Vorhersage erfüllt sich im Jahre 580: Die Langobarden brennen das Kloster auf dem Monte Cassino nieder, die Mönche bleiben am Leben und können nach Rom in den Lateran entkommen. Dorthin nehmen sie auch das Manuskript mit der Mönchsregel mit und verbreiten es von dort aus in die ganze Welt.