Anfänge des abendländischen Mönchtums

Das, was wir heute als christliches Mönchtum bezeichnen, bildet sich im Orient im 3. Jahrhundert heraus. Mönche leben als Einsiedler und Eremiten, zum Teil in losen Kolonien, in den Einöden von Ägypten, Syrien und Palästina gemäß ihrem Vorbild, Johannes dem Täufer. Sie erhoffen sich von diesem Rückzug ewiges Seelenheil. Bald finden sich auch Mönchsgemeinschaften mit gemeinsamer Arbeit und Gebet sowie einheitlicher Lebensweise.


Gegen Ende des 4. Jahrhunderts gelangen immer mehr Mönchsgemeinschaften, aber auch Eremitenkolonien, vom Orient ins Abendland. Die Verbreitung des Mönchswesens erfolgt von Italien aus nach Südfrankreich und auf die britischen Inseln. Bei dieser Verbreitung entstehen – bedingt durch die verschiedenen Völker und Sitten – die unterschiedlichen Kleider- und Speisevorschriften, Formen der Liturgie sowie unterschiedliche Regeln fürs Klosterleben.

Seit Karl dem Großen setzte sich die Regel, welche von Benedikt von Nursia (gestorben um 550) für seine Mönchsgemeinschaft in Monte Cassino geschrieben wurde, im abendländischen Mönchtum fast ausschließlich durch. Somit gilt der hl. Benedikt als der eigentliche Vater des abendländischen Mönchtums.

Die Benediktsregel, bis heute Grundlage des Klosterlebens

In der Benediktsregel (lat. Regula Benedicti) wird in einem Prolog und 73 Kapiteln das Klosterleben definiert. Die Regel will den Mönch zu einem Leben der im Evangelium beschriebenen Nachfolge Christi heranbilden. Ziel ist das Wachsen in der Liebe zu Gott und den Mitmenschen; Mittel sind die monastischen Tugendend wie Gehorsam, Schweigen und Demut. Zudem werden Anordnungen für den Gottesdienst, also das Opus Dei, gegeben. Dazu kommen Kapitel über Strafen bei Regelverstößen sowie Anweisungen zu den Themen Klosterverwaltung, Dienste der Mönche sowie den Umgang mit Menschen von außerhalb. Selbstverständlich wird auch die Aufnahme von Novizen, die Rangordnung der Klostergemeinschaft, das Einsetzen der Klosterleitung, also des Abtes und seiner Helfer behandelt. Zum Schluss der Benediktsregel werden der Umgang der Mönche untereinander und das Leben in der klösterlichen Gemeinschaft aufgezeichnet.