Fastenzeit

Liebe Gläubige!

Mit dem Aschermittwoch am 02. März 2022 beginnt die diesjährige Fastenzeit. 40 Tage Zeit, die uns von Gott geschenkt wird.

Am Aschermittwoch hören wir in der zweiten Lesung einen Abschnitt aus dem Korintherbrief, an dessen Ende steht: „Jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; jetzt ist er da, der Tag der Rettung“. (2. Korintherbrief 6,2)

 Mit diesen Worten konzentriert sich der Apostel Paulus auf das, worum es in den 40 Tagen der Fastenzeit gehen soll: Die von Gott geschenkte Zeit als eine neue Möglichkeit zu sehen und zu nutzen, um aufzubrechen zu einer vertiefenden Beziehung zu und mit Gott.

Dies geschieht allerdings nicht von alleine, sondern für diese „Zeit der Gnade“ müssen wir uns öffnen und uns auf sie einlassen.

Wie kann uns dies gelingen? Indem wir z.B. damit beginnen, die Abläufe und Regeln unseres Alltags zu hinterfragen und aus dem „immer mehr, immer schneller, immer besser, immer weiter…“ ein „weniger, langsamer, zufriedener, …“ werden zu lassen.

Versuchen wir uns in diesen 40 Tagen einige Freiräume zu schaffen und verzichten wir auf die scheinbaren Notwendigkeiten und wichtigen Dinge des Alltags.

 „Neige das Ohr deines Herzens“, sagt uns der Heilige Benedikt in seiner Regel. Er meint damit, dass wir von innen lauschen und still werden sollen. Darauf zu hören, was Gott mir sagen möchte.

Uns Menschen gelingt das allerdings immer seltener, denn wir leben in einer Welt, in der wir ständig von Geräuschen und Lärm umgeben sind. Es ist eine Zeit der vielen und manchmal auch überflüssigen Worte. Ständig müssen wir online sein, immer erreichbar. Unsere Antennen sind ständig auf Empfang, um nur ja nichts zu versäumen. Hektik und Stress begleiten die Menschen und viele können und wollen auch keine Aufgaben abgeben oder delegieren, denn sie wollen „Macher“ sein.

Und so ist es für viele Menschen nicht einfach, ja fast unmöglich, Ruhe und Stille zu finden. Es ist für viele Menschen nicht einfach, Ruhe und Stille auszuhalten. Doch gerade die Tage der Fastenzeit sind eine von Gott geschenkte Zeit, um sich darin neu einzuüben.

Hierbei kann uns das persönliche Gebet, das Lesen in der Heiligen Schrift oder der regelmäßige Besuch einer Heiligen Messe helfen. Im Sakrament der Beichte können wir Ballast abgeben, welcher uns vielleicht schon lange niederdrückt. 

Auch dieses Jahr soll uns ein Symbol durch die Fastenzeit begleiten: eine Sanduhr. Nun werden Sie sich vielleicht fragen: Was hat eine Sanduhr mit der Fastenzeit zu tun?

  • Die Sanduhr ist ein Symbol der verrinnenden Zeit und unserer Vergänglichkeit. Am Aschermittwoch bekommen wir mit folgenden Worten das Aschekreuz auf das Haupt gestreut: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“.
  • Weil die Sanduhr nach Ablaufen des Sandes wieder umgedreht werden muss, ist sie auch ein Symbol für das Ende und den Neuanfang von Zeiten und Epochen. Mit der Fastenzeit beginnt wieder eine neue Zeit im Kirchenjahr, eine von Gott geschenkte Zeit des Neuanfangs und der Umkehr. In der Osternacht hören wir: „Christus, gestern und heute, Anfang und Ende, Alpha und Omega. Sein ist die Zeit und die Ewigkeit.“ Damit soll uns bewusstwerden, dass unsere Zeit in den Händen Gottes liegt. 
  • Die Sanduhr soll uns daran erinnern, dass wir uns täglich Zeit nehmen, um still zu werden, Zeit zu nehmen für Gott und für das Gebet. Sie soll uns aber auch daran erinnern, dass wir uns Zeit nehmen sollen für unsere Mitmenschen und dass wir bedürftige Menschen in den Blick nehmen.
  • Beim Gebet und um in die Stille zu kommen, kann uns die Sanduhr dabei unterstützen, dies wieder neu einzuüben. So kann man z.B. mit einer kurzen Zeit beginnen und im Laufe der Fastenzeit die Zeit der Stille und des Gebets immer länger werden lassen.

So darf ich Ihnen im Namen der Mehrerauer – Klostergemeinschaft eine gesegnete und geschenkte Zeit der Vorbereitung auf Ostern hin wünschen, mit Zeiten zum Innehalten, zum Hinhören und zur Reflexion des Lebens vor und mit Gott.

Frater Subprior Josua Breton OCist.

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