Kurz vor dem vierten Jahrestag des Angriffs Russlands auf die Ukraine versammelte sich die Gemeinschaft in der Klosterkirche der Mehrerau zu einem bewegenden Friedensgebet. Unter dem Leitwort „Der Friede sei mit euch!“ setzten die Teilnehmer ein starkes Zeichen gegen die Ohnmacht und für die Hoffnung.
Das Gebet, dem Abt Vinzenz vorstand, begann in tiefer Symbolik: In der Kirche sprachen zunächst nur Bilder von Menschen aus Kriegsgebieten auf einem großen Bildschirm eine deutliche Sprache. Begleitet wurden diese Impressionen von den „Stimmen der Welt“ – Zitaten von Betroffenen aus der Ukraine, dem Nahen Osten und von Müttern aus Gaza und Israel. Diese Zeugnisse machten unmittelbar spürbar: Der Schmerz kennt keine Nationalität, und die Sehnsucht nach Frieden ist so elementar wie Wasser und Brot.
Nach den Kyrierufen, die die eigene Hilflosigkeit und die Gefahr der Gleichgültigkeit thematisierten, rückte das Motiv der Zuversicht in den Mittelpunkt. Die Geschichte vom „Lichtschmied“ erzählte von einem alten Mann, der inmitten des Sturms eine kleine Kerze schützte – nicht um die Dunkelheit sofort zu besiegen, sondern um nicht zu vergessen, wie hell es sein kann.
Diese Botschaft wurde für die Anwesenden in einer besonderen Aktion greifbar: Jede Besucherin und jeder Besucher brachte während leiser Instrumentalmusik brennenden Lichter nach vorne, die sie rund um das Friedenslicht abstellten.
In den Fürbitten wurde besonders für die Menschen in der Ukraine gebetet, die nun bereits im vierten Jahr unter dem Terror des Krieges leiden, aber auch für die vergessenen Krisengebiete im Sudan oder Jemen. Abt Vinzenz betonte die Notwendigkeit des „langen Atems“: Man dürfe nicht müde werden, Gott um das Wunder des Friedens anzurufen und diesen Frieden im Kleinen selbst zu leben.
Mit dem Segen und dem Aufruf, selbst zu „Lichtschmieden“ im Alltag zu werden, endete die Feier. Es war eine Stunde des Innehaltens, die zeigte: Auch wenn die Weltlage oft dunkel scheint, bleibt die Gemeinschaft im Gebet eine Kraftquelle, die die Hoffnung nicht erlöschen lässt.
Gebet für die Ukraine zum vierten Jahrestag des Krieges
Gott, Du Gott des Friedens und des Trostes, wir blicken heute mit Schmerz und Bestürzung auf die Ukraine. Seit vier Jahren herrscht dort das Grauen, seit vier Jahren ist das Leid zum täglichen Begleiter der Menschen geworden.
Wir bringen Dir die Klagen dieses Landes: Wir denken an die Frauen, Männer und Kinder, die in ständiger Angst vor den Sirenen und Raketen leben. Wir denken an die Familien, die zerrissen sind, an die Millionen auf der Flucht und an jene, die in den Trümmern ihrer Existenz ausharren.
Herr, wir bitten Dich: Sei Du denen nahe, die keine Kraft mehr haben. Tröste die Trauernden, die um geliebte Menschen weinen. Heile die Wunden derer, die an Leib und Seele verletzt wurden. Schenke den Menschen in der Ukraine die Gewissheit, dass ihr Schrei nach Gerechtigkeit gehört wird und sie nicht vergessen sind.
Wir rufen zu Dir für die Verantwortlichen: Rühre die Herzen derer an, die Gewalt säen. Stoppe den Wahnsinn des Krieges. Erleuchte die Verstande derer, die über Leben und Tod entscheiden, damit die Waffen endlich schweigen und Wege für einen wahrhaftigen Frieden frei werden.
Lass uns selbst nicht gleichgültig werden. Halte unsere Wachsamkeit wach und unsere Herzen weit, damit wir in unserer Solidarität nicht müde werden.
Gott, wir legen die Ukraine in Deine Hände. Schenke dem Land das Ende der Gewalt, die Freiheit und Deinen tiefen, bleibenden Frieden. Amen.