Pater Prior Johannes Brügger

freundlich und weltoffen 

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – oder doch nicht? Vom Architekturstudent zum Prior des Priorats Birnau – wie es dazu kam, dass Pater Johannes heuer sein 25-jähriges Priesterjubiläum feiert, erzählt uns der freundliche Schweizer.

Es war wie ein Blitz, der ihn traf – und dieser kam aus dem nichts: Walliser Alpen (CH) im Sommer 1989. Wendelin Brügger – Pater Johannes‘ Taufname – war mit seinen Freunden nach längerem Aufstieg am Berggipfel angekommen und hörte dort einen Mann sagen: ‚Seht euch dieses Bergpanorama an. Das ist die Schöpfung in ihrer reinsten Pracht, in der Gott sich uns zeigt‘. Diese wenigen Worte eines Unbekannten lösten aus, was wohl schon in ihm schlummerte: Der junge Schweizer spürte erstmals die Berufung Gottes. Der 21-Jährige hatte zu dieser Zeit Architektur an der ETH Zürich studiert. Sein Plan war es gewesen, eines Tages das Holzbaugeschäft seines Vaters daheim zu übernehmen – bis zu jenem Sommer-Bergerlebnis. Diese Sätze ließen ihn einfach nicht mehr los. Deshalb ging er nochmals auf den Berg – diesmal alleine. Er wollte den Mann ausfindig machen, was ihm schließlich auch gelang. Als er an der Tür klingelte, öffnete ihm der Gesuchte – es war ein Priester. Nach einem kurzen Gespräch mit ihm, stand Wendelins Entschluss fest: Er will Pfarrer werden.

Von Freiburg nach Bregenz

Er ließ sich vom Architekturstudium für ein Jahr beurlauben und fing im Kloster Einsiedeln das Theologiestudium an. Schon nach einem halben Jahr merkte er, dass das sein Weg war – mehr noch, dass er Weltpriester für seine Heimatdiözese werden möchte. „Im Kloster Einsiedeln prägten mich die Jahre der Regelmäßigkeit des Stundengebetes und des gemeinschaftlichen Lebens. Ich war davon sehr beeindruckt – wusste und spürte aber: Das Klosterleben ist nichts für mich“, lacht der Mönch, als er sich zurückerinnert. Was war also passiert? Von seinen Mitstudenten – der Mehrerauer Fratres waren unter ihnen – hatte er das erste Mal vom Kloster Mehrerau erfahren. Als er diese 1994 nach seinem Studienabschluss in Bregenz besuchte, spürte er sofort die Kraft dieses Ortes. Sie zog ihn an. Er fand dort auch das aktive Element, das ihm bei der Entscheidung, Weltpriester zu werden, wichtig war. „So entschied ich mich, als Novize ins Kloster einzutreten – und ich fand es toll. Das Stundengebet und wie es die Mönche in der Mehrerau pflegten…die Hymnen und Psalmen – ich fühle mich angekommen. Ein Jahr später legte ich mein zeitliches Gelübde ab, nach drei Jahren meine feierliche Profess. Meine vier Jahre Studienzeit verbrachte ich in Rom. In Santo Spirito in Sassia Rom erhielt ich die Priesterweihe und wurde vom Frater zu Pater Johannes“, erzählt der Prior von Birnau mit strahlenden Augen.

Sein Lebensplatz

Als 2006 das Priorat einen neuen Prior brauchte, fragte der damalige Abt Kassian den 38-jährigen Pater Johannes, ob er sich diese Aufgabe vorstellen könnte. Das im deutschen Uhldingen gelegene Priorat Birnau gehört nämlich zur Territorialabteil Wettingen-Mehrerau. Nach einer kurzen Bedenkzeit verließ Pater Johannes das Bregenzer Kloster, um der neue Prior „der Birnau“ zu werden. „Das ist mein Platz, es könnte nicht besser passen. Als ich anfänglich hierher kam, standen an den Gebäuden zahlreiche Sanierungsarbeiten an. Als Sohn eines Baumeisters und als ehemaliger Architekturstudent passte diese Aufgabe und Verantwortung für mich wie der Deckel auf den Topf. In Teamarbeit und in Zusammenarbeit mit Fachleuten und guten Beratern und Beraterinnen sorgten und sorgen wir für den baulichen Erhalt“, freut sich der 55-Jährige und ergänzt: „Ich bin glücklich, dass mir damals Abt Kassian sein Vertrauen geschenkt hat und bin sehr dankbar, den Rückhalt von Abt Vinzenz und vom Konvent immer wieder spüren zu dürfen. Das ist für unsere Aufgabe wichtig. Ich spüre, dass ich meinen Teil zum gemeinschaftlichen Auftrag, Gott den Menschen näher zu bringen, hier erfüllen kann.“

Leben und wirken

Zusammen mit Pater Bruno und den rund 15 Mitarbeitenden verwaltet und organisiert Prior Johannes den wunderbaren Wallfahrtsort. Auf einer Anhöhe umgeben von Weinbergen, keine 50 Meter vom Bodenseeufer, leben und wirken er und Pater Bruno. Seelsorgliche Tätigkeiten, die Eucharistiefeiern, Gestaltung von Gottesdiensten, Führungen, Personalagenden oder der Klosterladen zählen ebenso zu seinen Aufgaben und wie das Spenden von Tauf- und Hochzeitssakramenten, die Abnahme der Beichten oder der Empfang von Besuchern und Besucherinnen. Und Letztere sind nicht wenig: Die prachtvolle Wallfahrtskirche des Priorats Birnau, ein wahres Juwel der barocken Baumeisterkunst, zieht jedes Jahr viele tausende Menschen an – bis zu 600 Busse zwischen April und Oktober mit Menschen aus aller Welt. „Sogesehen bin ich Ordensmann, aber auch der „Weltpriester“, der ich einmal werden wollte – mehr noch als ich es in meiner Heimatdiözese je sein hätte können – und außerdem spielt das bauliche Element auch immer eine wichtige Rolle“, freut sich der sympathische Prior.

 Kurzportait:

Lieblingsessen: Pasta           

Lieblingsgetränk: Espresso

Das „nervt“ mich: der eigene Perfektionismus

Das Motto gefällt mir: Die Schöpfung spiegelt Gottes Herrlichkeit