Predigt am Fest des Hl. Bernhard

Am 20. August 2021 feierten wir unseren großen Ordensheiligen Bernhard v. Clairvaux.

Gerne hätten wir an diesem Tag auch das "Goldene Professjubiläum" von unserem Bruder Alfons Winiger gefeiert. Leider konnte er aufgrund seiner gesundheitlichen Situation nicht daran teilnehmen.

Festprediger war unser neuer Diakon Frater Maurus Korn. Hier können Sie nun seine Predigt nachlesen:

Liebe Schwestern und Brüder,

Was braucht es, um im Christentum als „heilig“ zu gelten?

Ich meine, sie und ich kennen den liturgischen Kalender: voll von Gedenk- oder Festtagen, bestückt mit den verschiedensten Heiligen, die die Kirche im gesamten Erdkreis kennt.

Was glauben sie, haben alle diese Heiligen gemeinsam?

Wer von ihnen erinnert sich noch, wie das Tagesgebet zum heutigen Tag lautet, welches P. Abt vorhin – stellvertretend für uns alle – gebetet hat? Wofür betet heute die Heilige Kirche? Da heißt es:

„Allmächtiger Gott, du hast den heiligen Abt Bernhard mit brennender Sorge für deine Kirche erfüllt und ihn in den Wirren seiner Zeit zu einem hellen Licht gemacht. Erwecke auch heute Menschen, die vom Geist Christi ergriffen sind und als Kinder des Lichtes leben.“

An diesem Tag feiert die Kirche, besonders unser Orden, den Hl. Ordensvater Bernhard, der in den Anfängen unseres Ordens vor fast 900 Jahren wirkte. Ein Mann, der das damals fast kollabierende Erstkloster der Zisterzienser, nämlich Citeaux, zusammen mit 30 Gefährten erst einmal verstärkt hat und dann später als Abt für die Politik in Kirche und Gesellschaft eine immense Rolle spielte, auch, wenn er Fehler machte.

Die Kirche gedenkt heute also einem Mann, der etwas so großes für die Kirche getan hat, sodass es heute noch spürbar ist, welche Taten er vollbracht hat. Wer ihn kennenlernen möchte, braucht nur seine unzähligen Predigten zu hören, und, liebe Mitbrüder, die letzten Tage durften wir ihn bei Tisch hören.

Er lebte in den Wirren seiner Zeit und ließ durch sein Wirken die Kirche erstrahlen. Dieses Wirken Bernhards strahlt noch bis heute in die Kirche von Vorarlberg:

Liebe Vorarlbergerinnen und Vorarlberger, die Mehrerau. Auch wir Mönche von Mehrerau oder auch die Nonnen von Mariastern-Gwiggen sind ein Produkt Bernhards, wenn auch über viele Ecken.

Um solche Menschen bittet die Kirche heute. Um Männer und Frauen, die, vom Geist Gottes beseelt, Kinder des Lichtes in einer dunklen Welt sind.

Und diese Heilige gibt es auch heute noch, ob kanonisiert oder nicht.

Menschen, die uns Christus erfahrbar machen durch ihr Leben und ihr Wirken.

Heute hätten wir vielleicht solch einen heiligmäßigen in unserer Mitte gefeiert. Denn geplant war eigentlich heute die Feier des Goldenen Professjubiliäums von Br. Alfons. Doch, aufgrund seines aktuellen Gesundheitszustandes kann er heute leider nicht in unserer Mitte sein.

Ein demütiger, stiller Mensch, wenig Worte, dafür aber immer gute, nur am arbeiten gewesen. Der Garten als sein Revier, schon in den Frühmonaten gab es bei ihm die ersten Früchte seiner Arbeit zu schmecken. Ein Mann, der still seinen Dienst getan hat. Kein Murren, kein Meckern. Und in allem schwang bei ihm eine Sehnsucht nach Christus.

Für so manch einen Gartenbesucher war Br. Alfons vielleicht ein Heiliger, dem man begegnen konnte. Ein wahres Kind des Lichtes, wie das Tagesgebet lautet.

Christus nahe zu sein ist der Wunsch jedes Heiligen. Denn er ist es, der die Kraft gibt, den Lebensweg mit ihm zu gestalten. Und so manch einer verzehrt sich dabei, wird vielleicht so manchmal Christus gleich.

Jesus wirkt noch heute. Damals in Bernhard, heute vielleicht in Bruder Alfons, und morgen? Darum haben wir gebetet: dass auch morgen noch Menschen durch den Geist Jesu beseelt, Kinder des Lichtes sind. Beten wir heute also um viele Berufungen, in die Klöster, Gemeinden, Diözesen.

Was braucht es, um im Christentum als „heilig“ zu gelten?

Amen.