Pater Dietmar im Libanon

Seit November befindet sich unser Pater Dietmar als Militärpfarrer im UN-Camp Naqoura im Libanon. Hier gibt er einen kurzen Einblick zur Situation im Camp und der Stadt:

In diesen Zeiten ist für jeden Menschen seine eigene Herausforderung, sich selbst und andere zu schützen, sodass wir gesund bleiben bei all den Begegnungen, die wir im Alltag haben dürfen.

Durch Corona bedingt wurde ich gebeten, ob ich nicht meinen Weihnachts-Kurzeinsatz im Libanon verlängern könnte, sodass auch Ostern ein Militärpfarrer im Einsatzraum lebt. So kam es, dass ich nicht allein die Österreicher, sondern auch von den Soldaten aus Deutschland und Italien besucht wurde und werde. Ich finde, dass es, mit gebotenem Abstand, sicher zu bewerkstelligen ist. Hier im UN-Camp Naqoura sind und werden alle regelmäßig getestet.

Die Begegnung mit der einheimischen Bevölkerung ist sehr eingeschränkt bis gar nicht möglich. Es herrscht im Libanon eine hohe Infektionsrate. Kranke, die kein Spital aufsuchen können, da keine Plätze vorhanden sind. Die Infizierten werden auf den Parkplätzen vor dem Krankenhaus behandelt oder weggeschickt. In unserem Nachbardorf Naqoura wurden gerade, Lockdown im Land wird streng eingefordert, alle Geschäfte geschlossen (nur Lieferservice). Tage nachdem Tausende Soldaten den Befehl erhielten, außer zur Wahrnehmung dienstlicher Aufgaben, nicht mehr aus dem Camp zu gehen. Lockdown vorerst bis 8. Februar.

Im Libanon sind über 10.000 UN-Soldaten. Im Camp Naqoura sind um die 1000, über 100 einheimische Arbeiter (LECS), die immer fürchten müssen, dass von heute auf morgen das Camp aus gesundheitlichen Gründen nach außen dicht gemacht wird, da die Ansteckungsgefahr durch die Einheimischen zu groß wird. Wer neu ins Camp kommt, sei es neu in den Einsatz oder nach dem Heimaturlaub, hat eine zweiwöchige Quarantäne zu absolvieren. PCR-Tests vor der Abreise, bei Ankunft… alles zur Sicherheit.

Im übrigen Teil des Landes herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit und miese Stimmung. Ein Arbeiter (Tagelöhner) muss schauen, dass er zwei Euro im Tag ergattert, damit er sich und seine Familie ernähren kann. Nun beginnen Demonstrationen, da niemand auf die Straße darf - wie soll aber der Tagelöhner mit Familie überleben?

So ist das Leben hier eine Herausforderung, Krankheit und Hunger in einem Land, das einmal die Schweiz des Nahen Ostens war.

Wir müssen den Himmel bestürmen: Herr, schau auf deine Schöpfung und gib uns den Geist, dass wir mehr und mehr MIT DIR darauf schauen - wir, die Krone der Schöpfung!

Pater Dietmar Gopp OCist. (29.01.21 - aus dem UN Camp Naqoura / Libanon)