Vortrag der Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser

„IM SCHATTEN DES FEIGENBAUMS“ – VORTRAG VON SUMAYA FARHAT-NASER

Vergangenen Freitag (21.3.) legte die palästinensische Christin und Friedensaktivistin Sumaya Farhat-Naser Zeugnis ab von der Situation in ihrer Heimat. „Unser Land wird uns systematisch weggenommen“: Ihre politisch brisante Aussage über israelischen Landraub im palästinensischen Westjordanland belegt Sumaya Farhat-Naser in ihrem neuen Buch „Im Schatten des Feigenbaums“ (2013) überzeugend und gibt damit Einblick in eine Realität der Verdrängung, die in Europa kaum wahrgenommen wird.

Die palästinensische Erfolgsautorin beschrieb in Ihrer Lesung mit erschütternden Worten, wie aggressiv israelische Siedler die einheimische Bevölkerung drangsalieren, Weinberge, Olivenhaine und Felder zerstören, Ländereien und Wasserquellen rauben – alles unter dem Schutz der israelischen Armee. Wie ein roter Faden ziehen sich die Einschränkungen und Widrigkeiten des Alltags unter Militärbesatzung durch Farhat-Nasers Aufzeichnungen. Dem bitteren Befund zum Trotz lässt sie sich nicht entmutigen.

"Nur wer die Hoffnung hat, denkt kreativ und findet Lösungen aus dem Teufelskreis der Gewalt" betonte sie immer wieder. In Schulen und Frauengruppen lehrt Sumaya Farhat-Naser mit großem Engagement gewaltfreie Kommunikation und den Umgang mit Konflikten, unermüdlich kämpft sie gegen Hoffnungslosigkeit und Resignation. Dabei freut sie sich selbst über jeden Fortschritt und macht auf positive gesellschaftliche Entwicklungen »von unten« aufmerksam. Enttäuscht äußert sie sich hingegen über die verbreitete Neigung hierzulande, berechtigte Kritik an Israel kleinzureden. Der Feigenbaum, der ihrem neuen Buch den Titel gegeben hat, sei „ein Zeichen für Frieden, Sicherheit und Lebensglück“, schreibt Sumaya Farhat-Naser.

Hoffnungsvolle Gefühle durchdringen das Tagebuch dieser starken und couragierten Frau, obwohl es ein trauriges Kapitel der Entrechtung und Enteignung der Palästinenser in ihrer Heimat protokolliert. Wichtig sei es, nie dem Hass Raum zu geben, sagte Sumaya Farhat-Naser während ihrer Lesung in der Aula Bernardi, „denn Hass zersetzt die Seele“. Auch uns Zuhörern gab sie eine Mut und Zuversicht spendende Lebensregel mit auf den Weg. Jeden Morgen wenn sie die Augen öffnet sagt sie laut: „GOTT sei dank, ich lebe!“ und auch in Situationen in denen sie der Mut und die Kraft zu verlassen drohen, sagt sie wiederum „GOTT sei dank, ich lebe!“ Die Dankbarkeit Gott gegenüber, dass wir leben dürfen und für alles was wir von ihm erhalten, soll uns Kraft geben, aus jedem Tag das Beste herauszuholen und uns nicht entmutigen lassen. Unser Himmlischer Vater steht zu uns, begleitet uns zu jeder Zeit und in jeder Situation. Sein uneingeschränktes Ja zu uns, sein „Ich bin da“ soll uns besonders auch in dunklen und hoffnungslosen Stunden Kraft, Mut und Zuversicht schenken.

Veranstalter dieses ausgesprochen wertvollen und interessanten Vortrags waren der Ritterorden vom Hl. Grab zu Jerusalem, das Ökumenische Bildungswerk Bregenz, Pax Christi Vorarlberg, ACUS Vorarlberg, der Internationale Versöhnungsbund und die Abtei Wettingen-Mehrerau.

Sumaya Farhat-Naser, geboren 1948 in Birzeit bei Ramallah, besuchte das Internat Talitha Kumi der deutschen Diakonissen in Bait Dschala (Nähe von Bethlehem) . Studium der Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaften an der Universität Hamburg. Promotion ebendort in Botanik. Ab 1982 Dozentin für Botanik und Ökologie an der Universität Birzeit. Mitbegründerin und Mitglied zahlreicher Organisationen, u.a. von Women Waging Peace an der Harvard-Universität und von Global Fund for Women in San Francisco. Von 1997 bis 2001 Leiterin des palästinensischen Jerusalem Center for Women. Vielfach geehrt, u.a. mit der Ehrendoktorwürde der Universität Münster, dem Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte (1995), dem Mount Zion Award (1997), dem Augsburger Friedenspreis (2000), der Hermann-Kesten-Medaille des P.E.N.-Zentrums Deutschland (2002) und dem AMOS-Preis für Zivilcourage in Religion, Kirchen und Gesellschaft (2011).

Sumaya Farhat-Naser lebt in Birzeit. Ihre Bücher „Thymian und Steine“, „Verwurzelt im Land der Olivenbäume“ und „Disteln im Weinberg“ sind im Lenos Verlag erschienen.

1)
Der Name der Schule verweist auf eine Begebenheit, die der Evangelist Markus erzählt: Bei der Auferweckung der Tochter des Jairus ergriff Jesus das Kind bei der Hand und sprach: „Talitha Kumi! - das heißt: Mädchen, ich sage dir, steh auf!“ (Mk 5,41)

Frau Sumaya Farhat-Naser