Bernhard von Clairvaux - Mönch und Mystiker

Geboren wird Bernhard um 1090 im französischen Fontaines-lès-Dijon, er stirbt am 20. August 1153 in Clairvaux, heute Longchamp-sur-Aujon, Frankreich. Bernhard kommt aus einer adligen, wohlhabenden und sehr frommen Familie. Sein Vater Tescelin le Saur steht in Diensten des Herzogs von Burgund. Seine Mutter Aleth von Montbard starb, als Bernhard noch ein Kind war.
Bernhard ist ein intelligenter Knabe, seine Eltern sorgen dafür, dass er eine sehr gute klassische Schulbildung erhält. Man wünscht, dass er eine kirchliche Karriere einschlägt, er aber spürt als junger Mann die Berufung als Mönch in einem armen und wenig bekannten Kloster

Eintritt ins Reformkloster Cîteaux

1112 tritt Bernhard gemeinsam mit 30 Gefährten, darunter fünf Brüder, in das 1098 gegründete Reformkloster Cîteaux in der Nähe von Dijon ein, das wegen seiner strengen Lebensweise zwar von vielen bewundert, aber auch gefürchtet war. Bernhard und seine Gefährten bringen neues Leben in die Ordensgemeinschaft. Bereits 1115, zwei Jahre nach seinem Klostereintritt, wird er von Abt Stephan Harding beauftragt, ein neues Kloster aufzubauen. In der Champagne finden die Mönche in einem Tal ihren Siedlungsplatz – hier entsteht eine der bedeutendsten Zisterzienserabteien: Clairvaux, lateinisch "clara vallis", das lichte Tal.

Bernhard als "zweiter Gründer" des Zisterzienserordens

Rasch entwickelt sich das Kloster unter Bernhards Führung zu einem der bedeutendsten Klöster des noch jungen Zisterzienserordens. Es zieht viele Novizen an, so dass beinahe jährlich neue Tochterklöster vom Mutterkloster Clairvaux aus errichtet werden. Deshalb nennt man Bernhard den "zweiten Gründer" des Ordens.

Bernhard gründet im Lauf seines Lebens 68 Klöster, davon mit Eberbach im Rheingau und Himmerod in der Eifel auch zwei in Deutschland. Bis zum Tode von Bernhard entstehen insgesamt 343 neue Zisterzienserklöster in ganz Europa. Die meisten Abteien in den deutschsprachigen Ländern, Polen und Böhmen gehen von der 1115 fast gleichzeitig mit Clairvaux gegründeten Mutterabtei Morimond aus.

Bernhard und die Reform der Kirche

Bereits als junger Abt übt Bernhard über die Grenzen seines Ordens durch seine Bücher und Briefe einen großen Einfluss auf die Erneuerung des Ordenslebens der mächtigen Benediktinerabtei Cluny, der Augustiner Chorherren und die neuen Orden der Prämonstratenser und Kartäuser aus. In der Kirche Frankreichs drängt er auf mehreren Synoden zur religiösen Erneuerung und zur Einsetzung reformfreudiger Bischöfe. Als 1130 in Rom eine zwiespältige Papstwahl erfolgt, setzt sich Bernhard bei den christlichen Königen und Fürsten für die Anerkennung des geistlich untadeligen Papstes Innozenz II. ein. Von dieser Zeit an nimmt sein Einfluss auf die gesamte katholische Christenheit immer mehr zu. Seine Briefe richten sich an alle Stände der Kirche und Gesellschaft. Seine Predigten und Bücher werden als Bestseller abgeschrieben und verbreitet. Sein Rat und seine tätige Hilfe in Krisensituationen werden von kirchlicher und weltlicher Seite immer wieder beansprucht. Das bringt es mit sich, dass er oft lange Zeit von seinem Kloster Clairvaux abwesend sein muss. Aber oft kehrt er von seinen Reisen mit einer ganzen Schar von Kandidaten nach Clairvaux zurück.

Späteres Wirken Bernhards

1138 gelingt es Bernhard, den Gegenpapst Viktor IV. zur Unterwerfung unter Innozenz II. zu bewegen und das Schisma zu beenden. 1139 nimmt er am II. Laterankonzil in Rom teil. 1140 beginnt sein Kampf gegen missverständliche oder von der katholischen Lehre abweichende Lehren des berühmten Pariser Theologieprofessors Abälard. Als 1145 der Zisterzienserabt Bernardo Pignatelli zum Papst – Eugen III. - gewählt wird, steigt das Ansehen seines ehemaligen Abtes und Lehrers Bernhard von Clairvaux auf seinen Höhepunkt. Im Auftrag des Papstes beginnt er mit der Werbung für den II. Kreuzzug, um den von turkmenischen Seldschuken bedrängten Christen in Palästina und Syrien zu Hilfe zu kommen und den Zugang zu den heiligen Stätten der Christenheit für die Pilger zu erhalten. Das Unternehmen endet im Juli 1147 vor Damaskus mit einer blutigen Niederlage der Christen. Bernhard wird von vielen für das Desaster verantwortlich gemacht. Er verteidigt sich nicht: „Ich weigere mich nicht, ehrlos zu werden, wenn nur die Ehre Gottes unangetastet bleibt!“ Bernhard überarbeitet zusammen mit seinen Sekretären noch einmal inhaltlich und stilistisch seine bisherigen Bücher und Briefe. Sein größtes biblisch-mystisches Werk, die Ansprachen über das Hohelied, bleibt unvollendet. Im Buch über die Besinnung an Papst Eugen macht er eine Rückschau auf sein Leben und alles, was ihn im Innersten seines Herzens bei seinem Einsatz für die Reform der Kirche bewegte.

Am 20. August 1153 stirbt Bernhard im Alter von 63 Jahren im Kreis von etwa 200 Mönchen in Clairvaux. 

Bernhard von Clairvaux ist Mönch, Mystiker und einer der einflussreichsten Männer seiner Zeit. Einer ganzen Epoche hat er seinen Namen verliehen: Die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts nennt man deshalb auch das bernhardinische Zeitalter.