Der Regel des heiligen Benedikt verpflichtet

Wir Zisterzienser sind der Regel des hl. Benedikt verpflichtet, die durch die Carta Caritatis des Hl. Stephan Harding und spätere Konstitutionen interpretiert wird. Das Zisterzienserideal gemäß den Erfordernissen der heutigen Zeit zu verwirklichen, bleibt Ziel und Zweck der Abtei Wettingen-Mehrerau. Im Zentrum stehen folgende Fragen:


Was will Gott von mir und meiner Gemeinschaft?
Was wollte er von den Gründern?
Was will er von uns in dieser Zeit?

Den drei Fragen gemeinsam ist die Grundfrage des hl. Bernhard:
Wozu bist du gekommen?

Und die Grundfragen des Menschen überhaupt:
Was ist der Sinn meines Lebens?
Wozu bin ich auf Erden?

Die wichtigste und drängendste Frage des Menschen über sich selbst bleibt dabei:

Woher komme ich und wohin gehe ich?
Gott, der Schöpfer, ist selbst Antwort auf diese Frage. Er ist Ursprung und letztes Ziel des Menschen, der in Gott seine letzte Bestimmung und Erfüllung findet. Der hl. Benedikt fasst Wesen und Ziel des monastischen Lebens in der Forderung zusammen:
Der Liebe Christi nichts vorziehen.
Die Bereitschaft zur ungeteilten Liebe findet ihren Ausdruck in der Profess. Hier gelobt der Mönch, unter Einsatz des ganzen Menschen mit allen seinen Möglichkeiten und Begabungen, Treue zur klösterlichen Gemeinschaft, um durch einen zielstrebigen Wandel im Guten unter der Leitung des Abtes Christus so nachzufolgen, wie es der monastischen Lebensweise entspricht.

Die charakteristischen Wesenselemente des klösterlichen Lebenswandels sind nach der gesamten kirchlichen Tradition die „Räte des Evengeliums“: Armut, ehelose Keuschheit um des Himmelreiches Willen und Gehorsam.

Die tägliche gemeinsame Feier der Liturgie in der heiligen Eucharistie und im Stundengebet legt Zeugnis dafür ab, dass Gott die lebendige Mitte des klösterlichen Lebens ist. Der Gesang des Chorals ist Ausdruck der Freude an Gott. Die Mönche beten stellvertretend für alle Nöte der Mitmenschen. Das Kloster, Raum des Schweigens, ist auf das Hören ausgerichtet. Die Atmosphäre der Stille, der Trennung vom Lärm der Welt, war unseren Ordensvätern so wichtig, dass sie nur abgelegene Plätze für die Gründung von Klöstern zuließen.