Singen und musizieren zum Lob Gottes

Eine rege Musikpflege hat in der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau eine lange Tradition, welche bis ins frühe 13. Jahrhundert in die Zeiten der Klosterschule der alten Benediktiner-Mehrerau zurückreicht. Immer wieder beherbergt das Kloster ausgezeichnete Musiker als Organisten, Chorleiter und Komponisten.

Alberich Zwyssig – Urheber der Schweizer Nationalhymne

Der Zisterziensermönch und Komponist Alberich Zwyssig wird am 17. November 1808 in Bauen UR geboren. Von 1821 wird er Klosterschüler und Sängerknabe, später Mönch und Priester im Kloster Wettingen, wo er als Lehrer, Abtsekretär und Kapellmeister wirkt.


1841, im Jahr der Aufhebung des Klosters in Wettingen, schickt ihm sein Zürcher Freund Leonhard Widmer den Text mit dem Schweizer Psalm („Trittst im Morgenrot daher…“) zur Vertonung. Zwyssig nimmt sich dieser Aufgabe an und unterlegt die Worte, entsprechend angepasst an seine eigene Komposition „Diligam te Domine“. Die neue Fassung dieses Liedes wird am 22.11.1841 in St. Carl bei Zug uraufgeführt bei vaterländischen Anlässen von Chören und vom Volk immer wieder gesungen und 1981 zur Schweizer Nationalhymne erklärt.

1854 kommt Zwyssig schließlich mit weiteren sieben Patres sowie drei Brüdern im Gefolge von Abt Leopold Höchle ins ehemalige Benediktinerkloster Mehrerau. Alberich Zwyssig stirbt nur wenige Monate nach seiner Ankunft in Mehrerau am Tag nach seinem 47. Geburtstag, dem 18. Nov. 1854.

Gott in Gesang und Musik loben

In der Geschichte der Zisterzienserabtei Wettingen-Mehrerau machen sich viele Kantore um die Pflege des Choralgesangs verdient. Am Anfang steht 1854 der leider viel zu früh verstorbene Alberich Zwyssig. Ihm folgen u. a. der hervorragende Sänger und Chordirigent Pater Gabriel Rüttimann (1891–93 und 1895–98), Pater Wilhelm Klimmer (1919–25), Pater Dr. Sighard Kleiner (1934–38); nach dem zweiten Weltkrieg üben Pater Notker Eisenring, Pater DDr. Kolumban Spahr, Pater Dr. Adalbert Roder sowie Pater Dr. Robert Baumkirchner, um nur einige zu nennen, einen großen Einfluss auf den Choral- und Chorgesang des Klosters aus. 

Die Orgeln des Klosters

1860 wird die erste größere Orgel für die gerade fertiggestellte Klosterkirche eingeweiht. Der Orgelbauer Johann Nepomuk Kiene aus Langenargen baut die mechanische Schleifladenorgel mit 14 Registern und zwei Manualen und Pedal. Dieses Instrument wird 20 Jahre später verkauft und nach Graubünden gebracht.

1880 schafft der Konvent die erste Chororgel des Schwarzacher Orgelbauers Anton Behrmann an, die aber bald wieder verkauft wird. Daraufhin beginnt die Firma Gebrüder Mayer aus Feldkirch am 22. Juli 1881 mit der Aufstellung der neuen großen Hauptorgel auf der Westempore der Klosterkirche.

Ab 1896 installiert ebenfalls die Firma Gebrüder Mayer die neue Chororgel. Dieses Instrument mit Kegelladen und 13 Registern tut ihren Dienst bis 1950. Am Schluss war sie so schadhaft, dass sie nicht mehr bzw. kaum noch bespielt werden kann.

Nach dem Umbau der Klosterkirche erhält die Schwarzacher Firma Rieger Orgelbau 1967 den Auftrag, eine neue Orgel zu errichten. Die neue Hauptorgel auf der Westempore wird nach einem Dispositionsentwurf durch Prof. Günther Fetz gebaut, das Äußere des Instruments folgt im Wesentlichen den Entwürfen des Architekten Mag. Hans Purin, so dass Kirchenraum und Orgel eine sehr gelungene Symbiose eingehen. Diese Rieger-Orgel hat 32 verschiedene Stimmen, verteilt auf drei Manuale und Pedal.

Die große Distanz zwischen Hauptorgel und Chorgestühl sowie das Streben nach einer klanglich guten Verbindung zwischen Mönchschor und Orgelbegleitung bringen den Wunsch nach einer eigenen Chororgel im vorderen Teil des Kirchenschiffs hervor. 1974 wird die Chororgel von Rieger Orgelbau geliefert und montiert. 
 
 Zum 150. Gründungsjahr der Schule erhält die Collegiumskapelle mit Hilfe einer Stiftung wieder eine Orgel. Den Auftrag erhält der selbstständige Orgelbaumeister Christoph Enzenhofer, der bei der Firma Rieger Orgelbau ausgebildet wird, somit auch am Bau der großen Orgel in der Klosterkirche beteiligt war. Für die außergewöhnliche Kapelle mit dem sehr reichen neoromanischen Schmuck und der großflächigen Holzkassettendecke schafft Orgelbaumeister Christoph Enzenhofer ein Meisterwerk, welches in Klang und Optik dem Kapellenraum und seiner Bestimmung, ein Ort des Dienstes an Gott zu sein, perfekt entspricht.